Markus Huemer: Eine Zusammenfassung von Allem

Ausstellung

09.03. - 01.06.2022, Prag 1, ÖKF, Jungmannovo náměstí 18

© Markus Huemer

Mo–Fr, 10–17 Uhr, außer an österreichischen und tschechischen Feiertagen

In seinem Buch „Ich kann hypnotisieren! Was kannst Du?“ (2007) definiert Markus Huemer innerhalb seiner künstlerischen Arbeit den Begriff „Medialer Manierismus“, der sich ursprünglich auf die Spätrenaissance bezog. Das Hauptziel der Renaissance-Bewegung war ein neues Verständnis der Welt, die Erleuchtung des menschlichen Geistes und körperliche Schönheit. Der Manierismus der Spätrenaissance untergräbt all dies und konzentriert sich weder auf die Realität noch auf das Schönheitsideal, sondern auf den Künstler als Schöpfer und den Begriff des Genies.

In seinem „Medialen Manierismus“ kehrt Huemer zu digitalen Bildkonzepten zurück, und so kommt es zu Verzerrungen, Übertreibungen, Radikalisierungen, Zitaten und Wiederholungen von Formen, die bereits in digitalen Bildern existierten. Der „mediale Manierismus“ ist also nicht nur ein Stil, sondern eine Reflexion, eine Aneignung von Traditionen, die neue Konstruktionen vorwegnimmt. Vielmehr geht es um die innere Realität von Computern, ihrer Programme, des Internets und von Projektionsgeräten und um die Funktionsweise von Computercodes und Algorithmen in dieser Parallelwelt.

Die Suche selbst ist das Ziel – auch wenn von vornherein klar ist, dass sie zum Scheitern verurteilt ist. Diese fundamentale Enttäuschung steht im Mittelpunkt von Huemers Werk und erzeugt eine besondere Spannung in Bezug auf die technische Exzellenz seiner Produktion: Die Tatsache, dass die Suche letztlich unmöglich ist, ist dem Künstler von Anfang an bewusst. Diesem Umstand begegnet Huemer statt mit Verzweiflung eher mit Humor, wie die Titel seiner Werke vermuten lassen.

In diesem Zusammenhang verweist der Autor häufig auf Ernst Blochs Konzept der Utopie, die nicht als Gegenteil der Realität, sondern als deren Ergebnis oder als eine neue Art von Wahrheit im Zeitalter von Wissenschaft und Technik postuliert wird. Bloch formulierte die Doktrin des „kulturellen Überschusses“, um die Rolle der Kultur und innerhalb dieser die Rolle der Kunst und der Malerei bei der Schaffung menschlicher Utopien als Ausdruck des menschlichen Strebens nach Perfektion zu definieren. Huemer übersetzt diese philosophischen Bezüge durch seinen medialen Manierismus in eine konzeptionelle Bedeutung: Er weicht vom ursprünglichen Wortlaut ab und manipuliert ihn, indem er Synonyme verwendet, die die Bedeutung zwar nur geringfügig, aber dennoch grundlegend verändern.

Markus Huemer (* 1968 Linz) studierte an der Linzer Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung und an der Kunstakademie Düsseldorf. Er erhielt ein Stipendium der Kunsthochschule für Medien Köln und lehrte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Huemer lebt und arbeitet in Berlin.

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